Exotic
Green Rally in Etten-Leur, NL
Rund 90 Teilnehmer machten sich am
Wochenende des 7. und 8. Juli auf den Weg in den Süden der Niederlande, genauer
gesagt nach Etten-Leur. Im Rahmen der niederländischen Rallyclinic Dutch Open
fand auch die Exotic Green Rallye statt. Bei ihr galt es insgesamt 651 Kilometer
zu fahren, davon 228 als Wertungsprüfungen.
Auch zwei Deutsche Teams in die
Niederlande gelockt. Uli Boeing mit seinem holländischen Beifahrer in seinem
BMW 325i sowie Holger Knöbel mit Beifahrerin Stefanie Fritzensmeier im Volvo
740.
Die beiden Teams sahen sich auch
gleich am Anfang mit zahlreichen Streckenänderungen und einer leicht
chaotischen Organisation konfrontiert. Grund dafür waren starke Regenfälle
innerhalb der Woche, die einige Schotterpassagen unbefahrbar machten. Start der
Rallye war am Samstagmittag. Holger Knöbel fuhr auf der ersten Wertungsprüfung
gleich eine Bestzeit mit zehn Sekunden Vorsprung auf Pierre Brouwer/Marc
Groeneveld im Volvo 240. Auch auf der zweiten Wertungsprüfung konnte er
nochmals vier Sekunden gutmachen.
Auf der dritten Wertungsprüfung
waren beide Teams zeitgleich. Während des anschließenden Showrundkurses direkt
am Servicegelände im Gewerbegebiet Vosdonk in Etten-Leur, riss die Glückssträhne
für das Team Knöbel/Fritzensmeier. Sie fuhren über eine der
Tempo-Hemmschwellen, die typisch für Holland sind. Bei der „Landung“ wurde
dann das Getriebe beschädigt, denn es fehlte der dritte Gang. Dennoch konnten
sie die Prüfung mit nur sechs Sekunden Rückstand auf Brouwer beenden und
profitierten davon, dass anschließend der erste Service angesetzt war. Die
Servicecrew des Team Knöbel, André Bach und Gunnar Lohn, gab nun alles und
auch Holger Knöbel packte mit an, so dass sie das Getriebe innerhalb der Karenz
austauschen konnten. Allerdings war der Volvo nun als letztes Auto im Feld
unterwegs, aber der Begeisterung der Zuschauer tat dies keinen Abbruch. Denn die
vier Prüfungen wurden erneut gefahren, wobei sich Holger Knöbel alle drei
Bestzeiten sichern und einen Vorsprung von 23 Sekunden aufbauen konnte, eine Prüfung
wurde neutralisiert.

Der nächste Ort des Geschehens
war die Ortschaft Zundert, die etwa 20 km südlich von Etten-Leur liegt. Auch
hier hatten die Veranstalter vier Prüfungen zusammengestellt, zwei wurden
zweimal und zwei dreimal gefahren. In der neunten Wertungsprüfung war Pierre
Brouwer eine Sekunde schneller, so dass das Team Knöbel auf der zehnten
Wertungsprüfung das Tempo wieder erhöhen musste. Die holländischen Fahrer
sind nachts sehr schnell, da sie oft im Dunkeln fahren müssen, während in
Deutschland höchstens ein bis zwei Mal im Jahr im Dunkeln weitergefahren wird.
Trotzdem war das Team Knöbel 13 Sekunden schneller und hatte nun einen
Vorsprung von 35 Sekunden.
Holger Knöbel entschied sich
daher dazu auch die nächsten zwei Prüfungen ohne „Nightface“ zu fahren, da
es noch hell genug war. Doch aufgrund von kleinen Verzögerungen wurde es schon
sehr spät, sodass die zwölfte Wertungsprüfung fast schon im Dunkeln gefahren
wurde. Trotzdem ist das Team Knöbel am Ende zeitgleich mit Pierre Brouwer.Die
Rallye hieß nicht umsonst mal Nacht von Achtmaal – es wurde am Samstag bis spät
in die Nacht hinein gefahren, die ersten Teilnehmer waren um 2 Uhr im Ziel.
Zu Beginn der nächsten Wertungsprüfung
war es bereits 23.30 Uhr, also konnte definitiv nicht mehr auf ein „Nightface“
verzichtet werden. Auch hier spielte die Stärke der Holländer bei der
Nachtfahrt eine große Rolle. Pierre Brouwer hatte so in WP 13 elf Sekunden
Vorsprung auf das Team Knöbel herausfahren können, während die sich noch an
die Dunkelheit gewöhnen mussten und erst auf der nächsten Prüfung wieder
angreifen konnten. Mit dem Ergebnis, dass beide Teams danach zeitgleich fuhren.
Als es Zeit für den Service war,
hatten Holger Knöbel und Stefanie Fritzensmeier demman nur noch 24 Sekunden
Vorsprung und vier Nachtprüfungen standen noch aus. Bei der fünfzehnten
Wertungsprüfung fährt das Team erneut zeitgleich mit Pierre Brouwer. Auf der nächsten
Prüfung sind sie sogar acht Sekunden schneller, da er Probleme mit dem Licht
hatte. Im folgenden Service war die Stimmung so etwas beruhigter, da die Nacht
fast überstanden war. Aber Holger erinnerte sich an ein Zitat von Jan de
Winkel: „Bei dieser Rallye ist die Nacht lang und es kann viel geschehen.“
Diese Erfahrung sollte sich bewahrheiten.
In der folgenden Wertungsprüfung
sah man dann auch viele Ausrutscher und verbeulte Autos. Es war mittlerweile 2
Uhr und der Tag somit für die Teams sehr lang, die Konzentration zu halten
wurde immer schwieriger. Trotz des langen Tages fühlte sich das Team Knöbel
noch sehr fit und war dementsprechend motiviert für die noch folgenden Prüfungen.
Die 17. Wertungsprüfung lief gut, nur eine Sekunde Rückstand auf Pierre. So
wurde das Team auf der nächsten Prüfung schon risikofreudiger und kam an einer
mittlerweile sehr welligen Schotterpassage fast vom Weg ab. Lediglich einige
Holzzaunpfähle mit Stacheldraht verhinderten den Abflug des Volvos und
hinterließen ein schönes Muster auf dem Auto. Trotz dessen fuhren sie noch die
Bestzeit mit sechs Sekunden Vorsprung. Das Etappenziel war um 03:30 Uhr mit nun
37 Sekunden Vorsprung vor Pierre und Platz 42 in der Gesamtwertung erreicht.
Sechs Stunden Schlaf mussten
reichen, bevor man für die nächste Etappe aufrüstete. Bei der 19. Wertungsprüfung
verzeichnete das Team Knöbel zwar einen Tonnenabdruck im Seitenteil der
Fahrerseite, aber auch weitere drei Sekunden Vorsprung. Auch die nächste Prüfung
verlief ohne Probleme, brachte allerdings fünf Sekunden Rückstand ein. Pierre
hatte hier gegen Ende der Prüfung einen Baum getroffen, konnte die Fahrt aber
fortsetzen.
Für das Team Knöbel lief es in
der 21. Wertungsprüfung nicht mehr so gut, denn auch das zweite Getriebe ging
kaputt. Holger Knöbel blieb nur noch der vierte Gang zum Fahren. Zwar konnten
sie die Prüfung noch mit einem Rückstand von rund einer Minute beenden, haben
dann aber entschieden aufzuhören, da sie sich andernfalls die Kupplung ruiniert
hätten. Ein zweites Mal das Getriebe zu wechseln, und dann auch noch auf das
kaputte vom Vortag, schien sinnlos. Aber auch Pierre Brouwer fiel aus. „Wenn
wir dies eher gewusst hätten, hätten wir vielleicht noch auf das andere
kaputte Getriebe zurückgerüstet. Hier war nur der 3. Gang kaputt und mit den
restlichen Gängen hätte man vielleicht die Rallye noch gut beenden können,
wahrscheinlich sogar noch die C2 gewinnen können, da wir vor dem nächsten
Volvo rund drei Minuten Vorsprung hatten“, meint Holger Knöbel.
Das Team Knöbel war
dementsprechend enttäuscht, da es für sie eine tolle Rallye war. Die Nachtprüfungen
waren sehr anspruchsvoll und sie waren glücklich, diese unbeschadet überstanden
zu haben. Zudem war es war ein guter Kampf mit Pierre Brouwer um die Führung in
der Klasse und natürlich hätten sie die Rallye gerne beendet. „Es hat uns
sehr viel Spaß gemacht und vielleicht kommen wir ja im nächsten Jahr wieder
nach Etten-Leur!“, sind sich Holger Knöbel und Stefanie Fritzensmeier einig.
Im Nachhinein kann man sagen, dass
Holger Knöbel im Volvo 740 das Geschehen in der Klasse C2 von Beginn an
dominierte. Für ihn folgte das Aus drei Prüfungen vor Schluss, Knöbel glänzte
auf dem 38. Gesamtrang mit guter Leistung. „Wir denken, dass wir den
Zuschauern schönen Rallyesport geboten haben und möchten uns für die Hilfe
von Wietze de Vries bei der Veranstaltung bedanken“, sagte Holger Knöbel
abschließend.
Endstand im Volvo-Cup, Klasse C2:
1.
Jacco
Waalewijn/Clifton van Halderen
2:35:11
2.
Roy Achterbosch/Sander Grundel +1:05
3.
Albert
de Groot/Carin de Groot
+16:17
Holger
Knöbel/Stefanie Fritzensmeier Ausfall WP 21
Pierre
Brouwer/Marc Groeneveld Ausfall WP 20